Maltherapie
Die Maltherapie bewegt sich zwischen dem klassischen Rahmen der Psychotherapie und dem Atelier des Künstlers. Die Farbforschung hat die Wirkung von Farben auf die Psyche hervorgehoben und die Maltherapie damit zu einem zusätzlichen Behandlungsinstrument gemacht. Sie nutzt den künstlerischen Ausdruck als Ergänzung zur Psychotherapie. Die Maltherapie ist ein Zweig der Kunsttherapie . Sie hilft, Depressionen zu bekämpfen, von denen mitunter auch Künstler betroffen sind. Der Künstler als Therapeut spielt eine zentrale Rolle im Prozess der Maltherapie.
Ein kleiner Blick in die Geschichte!
In antiken Zivilisationen war Medizin eine Kunstform. Es gab keine klaren Grenzen zwischen Disziplinen wie Musik, Bildhauerei und Grafik. Malerei konnte daher als Ausdruck des Göttlichen verstanden werden und trug somit auf natürliche Weise zur Heilung bei. Bilder besaßen die Kraft zu heilen.
Viel später erkannte Sigmund Freud, dass das Definieren und Freisetzen von als unmoralisch geltenden Trieben für eine wirksame therapeutische Praxis in der Psychoanalyse unerlässlich ist. Für Freud liegt das Problem darin, eine Grundlage zu finden, durch die verdrängte Gedanken lesbar werden können. Dies ist das Prinzip der „Sublimierung“. Ob durch Traumanalyse oder eine andere Methode – wichtig ist, die Triebgefühle so zu kontrollieren, dass sie interpretierbar werden.
Hier kommt die Malerei als therapeutische Praxis ins Spiel, denn das Kunstwerk bietet den Patienten eine sichere Umgebung.
Die amerikanische Psychotherapeutin Margaret Naumburg erfand 1941 das Konzept der „Kunsttherapie“.
Edith Kramer derweil mit dieser Disziplin in Kindergruppen. Ihr wurde später in Frankreich gefolgt.
Beide erkannten, dass sich die tiefsten Absichten eines Menschen durch eine Zeichnung oder ein Gemälde offenbaren lassen. Die Analyse der Symbolik von Formen und Farben erleichtert das Verständnis verborgener Bedeutungen.
Der Künstler-Praktiker
Wer kennt die Malerei besser als der Künstler selbst? Nach einer entsprechenden Ausbildung in therapeutischen Verfahren kann er zum Therapeuten und Vermittler werden.
Der Kunsttherapeut bietet dem Klienten grafische Freiräume. Er löst Blockaden bei Anfängern und gibt ihnen mit seiner fachkundigen Perspektive Sicherheit. Er führt seine Schüler und Patienten zu einer harmonischen Linienführung und Formgebung, um zunächst ein Gefühl der Ruhe zu erzeugen.
Oft sind Worte in den Sitzungen überflüssig, denn durch Gesten, Linien und Farben erscheint ein Spiegelbild des Bewusstseins.
Im kreativen Prozess verarbeitet der Student seine tiefsten Gefühle, repariert Zerbrochenes und versöhnt sich mit Getrenntem. So findet er zu einem neuen Gleichgewicht zurück.
Die Therapie geht weit über diese ersten Formen hinaus. Das künstlerisch Gestaltete gleicht einem offenen Buch, das vom Unbewussten spricht. Es bleibt Aufgabe des professionellen Therapeuten, diese Botschaften genauer zu entschlüsseln.
Für den Patienten besteht das Ziel darin, ein besseres Verständnis für sich selbst zu entwickeln. Manche entdecken dabei ein künstlerisches Talent. Im Bereich der Kunst führt die Maltherapie mitunter zu einer künstlerischen Karriere.
Große Künstler weisen oft eine Borderline-Persönlichkeitsstörung auf. In ihrer Kunst finden sie einen Sinn im Leben, der ihnen hilft, mit anderen Menschen zurechtzukommen. Bedeutende Künstler wie Jean-Michel Basquiat oder Francis Bacon verbargen ihre chronische Instabilität nicht.
Die Auswirkungen der Maltherapie
Jean Luc Sudres (Professor für Klinische Psychopathologie – Psychologe/Psychotherapeut/Kunsttherapeut/Ausbilder · Universität Toulouse) meint
Für den Patienten ist Malen als Kunsttherapie kein Ventil, sondern ein Weg, seine Gefühle zu verarbeiten. Es ermöglicht ihm, seine tiefsten Emotionen zu erkennen und so die Wunden zu heilen, die ihn daran hindern, das für seine psychische Gesundheit notwendige Gleichgewicht wiederzuerlangen. Es ist eine Methode, die eine neue Perspektive auf die Welt eröffnet.
Jede Emotion hat ihre eigene bildliche Darstellung. Gebogene oder unterbrochene Linien haben unterschiedliche Bedeutungen. Jede Farbe vermittelt ein anderes Gefühl.
Indem man sich auf Papier oder Leinwand ausdrückt, erweckt man intime und oft unbewusste Botschaften zum Leben. Die Geste des Malers ist unverkennbar, ebenso wie seine Farbwahl und die Beschaffenheit der Pigmente. Intuitives künstlerisches Schaffen in der Malerei übersetzt Emotionen in ihrer reinsten Form. Symbole in Bildern entstehen, noch bevor Worte in den Sinn kommen. Die Geste, die Linien und Formen vorwegnimmt, ist ein Bindeglied zwischen dem Physischen und dem Psychischen.
Es entwickelt sich allmählich ein Dialog zwischen Schöpfung und Impulsen, die manchmal unbewusst und tief in unserer Psyche vergraben sind.
Durch intuitives Malen werden die Impulse wieder an die Oberfläche gebracht und schamlos bloßgestellt, wie ein Splitter, der uns Schmerzen bereitet und den wir herausziehen.
Der Therapeut fungiert als Kanal für Emotionen. Er ermöglicht dem Patienten, künstlerische Freude zu erleben, was zur Entwicklung eines zuvor unbekannten, verbesserten Selbstwertgefühls beiträgt.
Verborgener Ärger oder ein unterdrücktes Verlangen stellen keine Bedrohung mehr dar, wenn sie nach außen dringen. Impulse lassen sich kontrollieren. Durch die tiefere Auseinandersetzung mit diesen kreativen Prozessen ist es nun möglich, eine erfüllendere persönliche Entwicklung anzustreben.
Malen als Therapieform hilft dabei, Blockaden zu erkennen, die durch Angst, geringes Selbstwertgefühl, Furcht vor der Verurteilung durch andere, krankhafte Schuldgefühle oder ungesunde Impulse gekennzeichnet sind. Der Therapeut nutzt die Intensität der Pinselstriche oder den Einsatz von Farbe, um die dunkelsten Bereiche der menschlichen Psyche zu erhellen.
Die Magie der Malerei liegt in ihrer Fähigkeit, durch eine auf Heilung ausgerichtete Praxis die Versöhnung mit sich selbst zu ermöglichen. Sie hilft dem Bewusstsein, sein wahres Wesen anzunehmen, um ein verlorenes Gleichgewicht wiederzuerlangen.
Für wen ist Maltherapie geeignet?
Kunsttherapie am Arbeitsplatz ist eine innovative Technik zur Stärkung des Zusammenhalts und zur Vorbeugung von Burnout und somit ein effektiver Ansatz zur Verbesserung der Teamdynamik
Die Maltherapie findet vorwiegend im medizinischen Bereich Anwendung. Sie dient hauptsächlich der Behandlung psychischer Ungleichgewichte, wird aber auch zur Persönlichkeitsentwicklung eingesetzt. Darüber hinaus ist sie besonders für Menschen empfehlenswert, die ihre Emotionen nicht wahrnehmen oder nicht regulieren können.
Die Behandlungen dauern mehrere Monate oder sogar mehrere Jahre. Sie eignen sich für alle Zielgruppen, Kinder und Jugendliche mit schulischen Schwierigkeiten, aber auch für Erwachsene in schwierigen Lebenslagen (psychische und physische Traumata, Depressionen, Trauerfälle, Lebensunfälle).
Diese Technik findet in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft zunehmend Anwendung. Kunsttherapie gewinnt an Anerkennung.
Depression und Kunst
Kunst kann Depressionen lindern. Darüber hinaus ist heute bekannt, dass Depressionen – wie viele andere Erkrankungen – mit einer physiologischen Störung zusammenhängen. Im Artikel „ Kunst und Depression “ werden wir sehen, wie künstlerischer Ausdruck als Katalysator für Emotionen hilfreich sein kann.
Depressive Künstler
Kreativität entspringt mitunter den seelischen Qualen von Künstlern. Francis Bacon ist ein Beispiel dafür. Es besteht ein Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit und künstlerischer Tätigkeit. Die psychologischen Muster ähneln denen von Kreativität und depressiven Zuständen. Vermutlich werden dabei dieselben neuronalen Schaltkreise aktiviert.
Diese These bedarf einer Einschränkung, da Künstler, wie auch andere Berufsgruppen, emotionalen Schwankungen ausgesetzt sind und anfälliger für Ängste vor Unsicherheit sind.
Depression und Kunst verbindet eine gemeinsame Geschichte. Es ist nach wie vor ein Irrglaube, dass ein depressiver Künstler eher qualitativ hochwertige Werke schafft. Das mag zwar für einige wenige Genies zutreffen, doch in den meisten Fällen stellt Depression ein ernsthaftes Hindernis für die Kreativität dar. In der Kunst ist der Schaffensprozess ein ständiges Schwanken zwischen emotionaler Euphorie und Depression.
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